Von den Anfängen der Sparte 5
Schon die Zahl drückt es aus, unsere Sparte, die Sparte 5, war die Letzte beim Aufbau des Kleingartenparks, der bis 1990 den Namen „30. Jahrestag der DDR“ trug. Dieser Name kennzeichnet unter anderem den Beginn der Aufbauarbeiten. Die geistigen Väter hatten klare Vorstellungen von der Gestaltung der Gesamtanlage, zum Teil auch Visionen, die nicht realisiert wurden. In erster Linie ging es um eine sinnvolle Freizeitgestaltung, sicher auch als Äquivalent zu den eingeschränkten Reisemöglichkeiten für Bürger der DDR und die begrenzte Zahl von Urlaubsplätzen. Eine gestaffelte Ferienregelung gab es in der DDR nicht. Zu den Visionen gehörte zum Beispiel, dass ein Reitweg durch die Anlage führen sollte. Aus heutiger Sicht war diese Idee gar nicht so abwegig.
Im Zentrum der Anlage war eine größere Gaststätte geplant. Eine Baracke hatte man schon umgesetzt und für 60.000 DM eine Gaststätteneinrichtung gekauft. Aber es blieb bei diesen Anfängen.
Das Gelände für unsere Sparte liegt dicht an der Elster, in der alten Elsteraue. Es wurde lange Zeit als Weideland von der LPG Niemtsch genutzt. Diese Ausgangsposition brachte manches Problem beim Aufbau der Anlage. Eine „besondere Freude“ bereitete das Ausheben der Kabel- und Leitungsgräben. Immer wieder stießen die Spartenfreunde auf Letteschichte, die das Graben sehr erschwerten.


Frühjahr 1983
Die Erschließungsarbeiten begannen 1983. Pro Parzelle mussten dafür 600 DM eingezahlt und 150 Aufbaustunden geleistet werden. Alles war streng geregelt. Im Projekt für den Kleingartenpark stand die Art (Bauweise) des Bungalows und seine Lage auf der Parzelle genau fest. Die Gärten am Außenzaun waren für Kleintierzüchter vorgesehen. Die Größe einer Parzelle betrug im Normalfall bis 400 qm – die Grundfläche für eine Laube ca. 23 qm, für die Terasse maximal 15 qm. Auf Antrag konnte die Hälfte der Laube unterkellert werden.
Am 04.05.1983 trafen sich alle Gartenfreunde im Gartenlokal zur Verteilung der Unkrautfelder. Wir erhielten die Nummer 48 und besichtigten die Stelle. Unkraut so hoch wie Ute und Thomas. Michael freute sich „endlich wieder Arbeit für mich“. Da brauch ich bloß noch ein Bett für meinen Mann“, so dachte Petra. Und so war es auch die nächsten Wochen und Monate ging es Meter für Meter mit der Kartoffelhacke über das Feld. Auch der Besuch aus Naumburg wurde eingespannt. Günter war ein guter und fleißiger Helfer.„
(Ein Mitglied der Sparte 5)
Einige Spartenfreunde schafften es schon 1984 den Fertigteilbungalow aufzustelle, zum Beispiel Familie Bregulla und Famile Scheler. Auch die massive Laube von Klaus Möws stand 1984.



„Am 27.06.1984 war es dann soweit. Ein LKW voll Bretter und Zubehör kam in den Garten. Am kommenden Wochenende wurde die Laube aufgestellt. Nun ging die Bauerei los nach Micha’s Methode „immer mit der Ruhe – es wird schon“ Nach und nach wurden ringsum die anderen Lauben aufgestellt. Dieter half auch drei Tage mauern. Michel mauerte die Ecken für die Terasse, Kurte und Mida stellen die Zwischenwände. Michael mauerte dann im Herbst. Die Zwischenplatten stehen in der Laube. Sie sollen dann mal Fensterverkleidung werden. Den ganzen Sommer ruhte die Arbeit, Micha war 5 Wochen mit dem Kreuz krank.„
(Von einem Mitglied der Sparte 5)
In den folgenden Jahren waren noch immer Aufbaustunden für die Gemeinschaftsanlagen zu erbringen – 1985, 30 und 1986, 20 Stunden.
Es ging voran…
1985 war der größte Teil der Eektroinstallation abgeschlossen und der Kontostand auf dem Spartenkonto 46.000 DM. Ein wichtiger Meilenstein war die Inbetriebnahme der Trink- und Brauchwasserleitung am 12. April 1986.
Alle Parzellen mussten gewissenhaft die Auflagen als Kleingärtner erfüllen. Dafür hatte man von zentraler Stelle sogenannte ökonomische Leistungskarten erfunden, in der die Ernteergebnisse eingetragen werden sollten. So richtig ernst nahm das wohl kaum jemand.




Ein besonderes Problem war die Beschaffung der Baumaterialien. Zement, Kalk, Holz, Mauersteine usw. gab es nur in kleinen Mengen. Oft musste man sich dafür einige Stunden der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) oder der DHZ (Deutsche Handelszentrale) anstellen. Deshalb wurden alle Gelegenheiten bei Fahrten durch die DDR genutzt, um in anderen Orte Baumaterial zu bekommen.
Fertigteilbungalows erhielt man nur auf Bestellung. Die Länge der Wartezeit war unterschiedlich, betrug meist zwischen 1 bis 2 Jahre.
Weniger kompliziert ging es bei den Aufbauarbeiten zu. Einer half dem Anderen. Besonders gut hatten es Bauleute, vor allem Maurer. Sie verdienten im sogenannten 2. AV (Zweites Arbeitsverhältnis) ein ganz schönes Taschengeld. Maschinen und Geräte wurden in den VEB (Volkseigene Betriebe) zu sehr günstigen Bedingungen ausgeliehen. Da viele Betriebsleiter selbst Bungalows bauten, ging das ohne Probleme, oft nur mit mündlichen Absprachen. Die Grenze zur Schwarzarbeit war fließend – manche Fuhre Kies landete an Stelle auf einer Baustelle in der Gartensparte.
Unser kleines Paradies
Trotz dieser besonderen Bedingungen bei der Gestaltung der Parzellen und Gemeinschaftsflächen steht an erster Stelle der unermüdliche Fleiß von ca. 500 Gartenbesitzern und ihrer Familien und nicht zuletzt das uneigennützige Engagement jener Spartenfreunde, die in den Vorständen tätig waren.
Ihnen allen ist zu verdanken, dass der Kleingartenpark so gut gelungen ist. Spartenfreunde und Besucher erfreuen sich an den schönen Gärten und Anlagen. Vom Frühjahr bis in den Herbst finden hier viele Menschen Erholung und Entspannung. Vor allem in den Sommerferien ist unsere Kleingartenanlage durch ihre Nähe zum See ein Paradies für Kinder.
(Verfasst im Oktober 2003 von Erhard Klose, ehemaliger 1. Vorsitzender. Ergänzt durch Zitate und Originalfotos der Spartenmitglieder)

